Eine gesunde Französische Bulldogge beginnt bei der Auswahl der Elterntiere. Hier erklären wir die wichtigsten Gesundheitsthemen der Rasse und warum wir sie untersuchen lassen.
Linienselektion zuerst
Für uns ist die Linienselektion die Nummer eins. Ein einzelner Befund sagt wenig, wenn man die Familie dahinter nicht kennt. Wir schauen deshalb nicht nur auf die Elterntiere, sondern auf Grosseltern, Geschwister und Nachkommen: Wie alt sind sie geworden, wie atmen sie, wie gesund ist ihr Rücken, wie ist ihr Wesen? Erst dieses Gesamtbild zeigt, ob eine Linie gesund ist.
Atmung
Brachyzephal beschreibt die Kopfform, nicht eine Krankheit. Die Französische Bulldogge hat einen kurzen Kopf. Bei manchen Hunden sind dadurch die Atemwege zu eng. Erst dann spricht man von BOAS, dem brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndrom. Betroffene Hunde schnarchen, werden schnell müde und vertragen Hitze schlecht.
Gute funktionelle Atmung statt Werbeversprechen. Eine Französische Bulldogge wird nie so atmen wie ein Hund mit langem Kopf, etwa ein Malinois. Anatomie, Grösse und Kopfform lassen sich nicht vergleichen. Deshalb verwenden wir den Begriff „freiatmend“ bewusst nicht. Unser Ziel ist eine gute funktionelle Atmung: Der Hund atmet in Ruhe und bei Bewegung ohne Anstrengung, kann sich normal abkühlen und seinen Alltag uneingeschränkt geniessen.
Die Nase allein sagt wenig. Eine längere Nase ist schön, aber die eigentlichen Engstellen liegen oft weiter hinten und sind von aussen nicht sichtbar: ein verdicktes Gaumensegel, ein kräftiger Zungengrund oder verlagerte Nasenmuscheln. Auch ein Hund, der ruhig atmet, kann zu wenig Luft bekommen. Geräusche beim Atmen sind dagegen immer ein Warnzeichen.
Deshalb lassen wir die Atemwege mit einer Computertomografie untersuchen. Sie zeigt Nasengang, Nasenmuscheln und Gaumensegel genau. Da der Schädel erst mit etwa 12 bis 18 Monaten ausgewachsen ist, ist eine Untersuchung ab etwa 18 Monaten sinnvoll. Ergänzend gibt es den BOAS Funktionstest, bei dem ein Tierarzt die Atmung vor und nach einer Belastung beurteilt.
Warnzeichen beim Welpenkauf: sehr enge, schlitzförmige Nasenlöcher, eine extrem kurze Schnauze und ein sehr kurzer, dicker Hals.
DVL2 und das Robinow ähnliche Syndrom
DVL2 ist eine Genvariante, die mit dem sogenannten Robinow ähnlichen Syndrom in Verbindung gebracht wird. Sie beeinflusst die Entwicklung des Skeletts und hängt mit Fehlbildungen der Wirbel wie Keilwirbeln, mit der Ausrichtung der Wirbelsäule und mit der Form der Rute zusammen.
Wichtig ist: DVL2 wirkt auch auf die Form des Schädels und auf das Gaumensegel. Damit hat die Variante nicht nur Einfluss auf die Stabilität des Rückens, sondern auch auf die Atmung. Hunde, die die Anlage doppelt tragen, sind stärker betroffen als Träger.
Wir lassen den DVL2 Status unserer Zuchthunde testen und berücksichtigen ihn bei jeder Verpaarung.
Warum wir nicht von heute auf morgen auf DVL2 frei setzen: DVL2 prägt einen grossen Teil der typischen Anatomie der Französischen Bulldogge. Wer zu schnell nur noch mit freien Hunden züchtet, bevor eine Linie gefestigt ist, verliert den Bulldoggen Typ. Wir gehen deshalb Schritt für Schritt vor: Zuerst festigen wir eine gesunde Linie über mindestens zwei Generationen. Frühestens ab der dritten Generation richten wir den Fokus gezielt auf Verpaarungen mit DVL2 freien Ergebnissen.
Wirbelsäule und Bandscheiben
Keilwirbel sind Fehlbildungen der Wirbel, die bei der Rasse häufig vorkommen. Sie können die Wirbelsäule instabil machen. Dazu kommt ein erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle.
Röntgen oder CT? Ein klassisches Röntgenbild zeigt die Wirbelsäule nur in zwei Ebenen. Fehlbildungen wie Schmetterlingswirbel, Spina bifida oder Veränderungen im Wirbelkanal bleiben darauf oft unsichtbar. Eine Computertomografie zeigt die Wirbel dreidimensional und deckt auch Veränderungen auf, die ein junger Hund noch lange nicht spürt.
Der Gentest auf CDDY zeigt eine Erbanlage, die mit frühem Verschleiss der Bandscheiben in Verbindung gebracht wird. Sie ist ein Risikofaktor, keine Diagnose. Ein grosser Teil der Rasse trägt diese Anlage. Würde man sehr schnell nur noch mit CDDY freien Hunden züchten, würde der Genpool stark schrumpfen, und damit steigt das Risiko für andere Erbkrankheiten. Deshalb ist für uns der CDDY Status ein Baustein unter vielen und kein alleiniges Ausschlusskriterium. Entscheidend ist, wie gesund die Rücken in einer Linie über Generationen tatsächlich sind.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie einschneidend ein Bandscheibenvorfall für einen Hund ist. Deshalb lassen wir die Wirbelsäule unserer Zuchthunde untersuchen und berücksichtigen die Ergebnisse bei jeder Verpaarung.
Im Alltag hilft: ein schlankes Gewicht, gute Muskulatur durch regelmässige Bewegung und kein Springen von hohen Möbeln.
Die Rute
Ein Hund mit kurzer Rute ist nicht krank. Die Länge der Rute sagt an sich nichts über die Gesundheit des Rückens aus.
Eine längere, bewegliche Rute ist für uns ein schöner Pluspunkt, vor allem für die Kommunikation: Der Hund kann seine Stimmung damit deutlicher zeigen.
Oft hängt ein DVL2 freies Ergebnis mit einer langen Rute zusammen. Hunde mit kurzer Rute können dagegen Träger sein oder die Anlage doppelt tragen. Die Rute allein ersetzt aber keinen Gentest.
Gelenke
Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED), OCD und eine lockere Kniescheibe (Patellaluxation) können Schmerzen und Lahmheit verursachen. Hüfte, Ellbogen und OCD werden mit Röntgen beurteilt, die Kniescheibe durch Abtasten beim Tierarzt.
Herz und Augen
Herzuntersuchungen mit Abhören und Ultraschall gehören zu einer verantwortungsvollen Zuchtauswahl. Bei den Augen wird zum Beispiel auf eingerollte oder ausgestellte Lider, Fehlwimpern und Katarakt geachtet. Häufig ist bei der Rasse auch ein Vorfall der Nickhautdrüse, das sogenannte Cherry Eye.
Kurzköpfige Rassen neigen ausserdem zu Hornhautgeschwüren, die schlecht heilen. Ein tränendes, zugekniffenes oder gerötetes Auge gehört deshalb immer rasch zum Tierarzt.
Gentests
Mit einem Gentest lässt sich prüfen, ob ein Hund eine Erbanlage trägt. N steht dabei für die normale Anlage, die zweite Angabe für die Variante, zum Beispiel N/DVL2. Wichtig sind die Begriffe:
- N/N, frei: der Hund trägt die Anlage nicht
- N/DVL2, Träger: der Hund trägt die Anlage einmal und kann sie weitergeben
- DVL2/DVL2, doppelt: der Hund trägt die Anlage von beiden Eltern
Ein Träger ist kein schlechter Zuchthund. Entscheidend ist, dass man es weiss, den Partner passend auswählt und die ganze Linie im Blick behält.
Hitze
Französische Bulldoggen können sich schlecht abkühlen und sind nicht für lange, anstrengende Belastung gebaut. An warmen Tagen sind Spaziergänge am Morgen und Abend, Schatten, frisches Wasser und eine Kühlmatte wichtig. Lass deine Frenchie nie im Auto zurück, auch nicht kurz. Starkes Hecheln, Taumeln oder eine dunkle Zunge sind ein Notfall. Mehr zu Notfallzeichen
Fragen, die du jedem Züchter stellen solltest
- Wurden die Atemwege der Elterntiere mit CT, Endoskopie oder einem BOAS Funktionstest untersucht?
- Wie wurde die Wirbelsäule untersucht, mit Röntgen oder CT?
- Welche Gentests gibt es, und was bedeuten die Ergebnisse?
- Wie gesund und wie alt sind Grosseltern und frühere Nachkommen?
- Darf ich die Mutter und die Befunde sehen?
Bei uns bekommst du auf alle diese Fragen eine offene Antwort. Schreib uns.
Diese Seite ersetzt keine tierärztliche Beratung.